Zu viel Unterrichtsausfall an Neusser Schulen

Viele Schulen in Neuss leiden unter massivem Unterrichtsausfall. Die Unterrichtsgarantie der Landesregierung ist gescheitert. Die Bildungspolitik in NRW braucht einen Neustart.

Viele Schulen in Neuss leiden unter massivem Unterrichtsausfall. Das zeigt die Antwort der Landesregierung auf eine “Kleine Anfrage” der SPD. Das Schulministerium hat eine Aufstellung zum Ausfall von Stunden herausgegeben. Grundlage ist eine flächendeckende Erhebung.

Die Zahlen zeigen: Die Schwarz-Gelbe Landesregierung ist mit dem Versprechen einer Unterrichtsgarantie kläglich gescheitert. Es reicht eben nicht, den Unterrichtsausfall mit einem aufwendigen Verfahren, für das sogar zusätzliches Personal in den Schulen gebunden wird, nur zu messen. Man muss auch was dagegen tun.

Der Unterrichtsausfall in Neuss

An der am stärksten betroffenen Neusser Grundschule sind im Schuljahr 2018/19 demnach 7,1 Prozent der Stunden ersatzlos ausgefallen. An der am stärksten betroffenen weiterführenden Schulen waren es 7,8 Prozent, im ersten Schulhalbjahr 2019/20 sogar 9,7 Prozent.

Der SPD ist bekannt, um welche Schulen es sich handelt. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die jeweiligen Schulnamen nicht zu nennen. So soll vermieden werden, dass der Ruf der Schule leidet. Die Schulen können nichts dafür, wie schlecht das Land sie mit Personal ausstattet. Insgesamt sind in NRW im Schuljahr 2018/2019 etwa 3,3 Millionen Unterrichtsstunden ausgefallen. Für das Schuljahr 2019/2020 liegen die Daten aufgrund der Corona-Pandemie nur unvollständig vor.

Schulformen sehr ungleich belastet

Besonders auffällig ist in der Erhebung die ungleiche Belastung der Schulformen. Haupt-, Real- und Gesamtschulen haben häufig einen weitaus höheren Ausfall an Schulstunden zu beklagen als die Gymnasien. Auch in Neuss zeigen sich solche Diskrepanzen. So sind in den Gesamtschulen im Schuljahr 2018/19 durchschnittlich fast sechs Prozent der Stunden ausgefallen – deutlich mehr als an den Gymnasien (durchschnittlich 2,5 Prozent). Auch bei den Grundschulen sind benachteiligte Viertel häufiger von Unterrichtsausfall betroffen. Das zeigt völlig falsche Prioritäten. Kinder mit größeren Bildungsnachteilen brauchen nicht weniger, sondern mehr individuelle Förderung.

Was die NRW-SPD ändern will

Für mich ist die Erhebung daher ein eindeutiges Indiz dafür, dass NRW umgehend einen echten schulscharfen Sozialindex benötigt. Dieser zeigt anhand eindeutiger Indikatoren, wo Geld, Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams am dringendsten gebraucht werden.

Darüber hinaus macht sich die SPD in Nordrhein-Westfalen für die Einführung der Entgeltstufe A13 als gleiches Einstiegsgehalt für Lehrkräfte aller Schulformen stark. Eine Grundschullehrerin verdient aktuell zum Berufseinstieg etwa 640 Euro weniger pro Monat als ihre Kollegin am Gymnasium. Das ist ungerecht und macht andere Schulformen im Vergleich zu Gymnasien unattraktiv. Die CDU-grführte Landesregierung lehnt den Vorstoß für eine Anpassung der Gehälter bislang allerdings ab.

Ein Neustart für die Bildungspolitik

Wir werben für einen echten Neustart in der Bildungspolitik von Nordrhein-Westfalen. Wir müssen das System neu aufstellen. Davon profitieren die Schülerinnen und Schüler auch hier vor Ort. Dazu gehört für den Sozialdemokraten neben einer massiven Personaloffensive auch eine Überprüfung der Bildungsinhalte durch eine Expertenkommission sowie ein New Deal für eine zukunftssichere Finanzierung des Bildungssystems. Wir brauchen neue Verabredungen darüber, welchen Beitrag die verschiedenen Ebenen – und auch der Bund – dauerhaft für die Bildung in unserem Land leisten sollen. Es geht darum, alle Kraft darauf zu konzentrieren, dass jedes Kind einen Schulabschluss erhält, mit dem es anschließend eine qualifizierte Berufsausbildung machen kann.